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Dienstag 15.11.2011, 17 Uhr s.t. Hörsaal des Strahlenzentrums - JLU Gießen, Leihgesterner Weg 217, Gießen

Vortrag "Die besonderen Bedingungen der Entwicklung der Menschen zu Sprach- und Kulturwesen"

Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Hans Rainer Duncker
Emeritus der Professur für Anatomie II am Fachbereich Medizin der JLU

Zum Thema:

Die Mehrzahl der Zeitgenossen einschließlich der heute tätigen Biologen und Mediziner gehen davon aus, dass die Entstehung der modernen Menschen ausschließlich auf den aus der biologischen Evolution bekannten, zufällig entstandenen Mutationen ihres Erbguts beruht, einschließlich der Ausbildung ihrer Sprache und ihrer geistigen Fähigkeiten. Eine genauere Analyse des Ablaufs der Stammesgeschichte der Menschen und ihrer ontogenetischen Entwicklung von der Geburt bis zum sozial und kulturell kompetenten Erwachsenen zeigt aber, dass sogar die biologische Evolution des Körpers der modernen Menschen einige nicht ausreichend verstandene Entwiclklungen aufweist, besonders die seiner Großhirnentwicklung.

Die davon zu unterscheidende sprachlich-kulturelle Entwicklung der einzelnen Menschen beruht dagegen auf völlig neuen Mechanismen: Die aufeinander folgenden Entwicklungsschritte der aufwachsenden Kinder und Jugendlichen für den Erwerb ihrer sozialen, sprachlichen und kulturellen Fähigkeiten werden von ihren Sozialgemeinschaften getragen, die sich zu den spezifischen Sprach- und Kulturgemeinschaften der Menschen weiterentwickelt haben. Alle von ihren erwachsenen Mitgliedern ausgeübten Tätigkeiten und Handlungen können von ihren Nachkommen nur durch Nachahmung und sozial kontrollierte Einübung erlernt werden, während alle in den einzelnen Kulturgemeinschaften angesammelten Erfahrungen, ausgebildete Glaubens- und Denkweisen sowie deren umfangreiche kulturellen und technischen Kenntnisse nur durch ihre hochentwickelte Lautsprache übernommen werden können.

Die Ausbildung aller dieser Leistungen wird von den in der Stammesgeschichte der Menschen neu entwickelten tertiären Großhirnarealen getragen, welche die Hälfte der Oberfläche der gesamten menschlichen Großhirnrinde einnehmen. Die für diese Nachahmungen und für die umfangreichen Sprach- und Kenntnisübernahmen verantwortlichen neurobiologischen Mechanismen und deren Abhängigkeit vom jeweiligen Entwicklungsalter werden skizziert. Dabei werden die besonderen emotionalen und sozialen Voraussetzungen der aufwachsenden Kinder und Jugendlichen für diese Entwicklungsleistungen und deren Störungen angesprochen. Insbesondere wird die Entwicklung der modernen Menschen in mehr als 6500 verschiedene Sprach- und Kulturgemeinschaften diskutiert.

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